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Zehn Umsetzungsschwächen

8. Juli 2021

Zehn Umsetzungsschwächen, die unsere Strategien scheitern lassen

Die meisten Organisationen haben kein Erkenntnis-, Strategie- oder Ideenproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Umsetzungsschwäche ist allzu menschlich, und es hat sie schon immer gegeben. Früher war sie kein wirkliches Problem, denn ob ein Produkt ein paar Monate später auf den Markt kam oder nicht, die Kosten etwas höher ausfielen als geplant oder ein weiterer Wettbewerber hinzukam, war im Wettbewerbsvergleich nicht von entscheidender Bedeutung. Größere Marktveränderungen kündigten sich beizeiten an, gingen gemächlicher vonstatten, und die Kuchenstücke waren groß genug – wenn auch nicht für alle, so doch für die meisten Wettbewerber.

Das ist heutzutage deutlich anders:

Die etablierten Märkte sind zunehmend gesättigt, klassische Wettbewerbsgrenzen verschwimmen durch Technologisierung und Globalisierung mehr und mehr, und nicht nur Geschäftsmodelle, sondern sogar ganze Branchen verschwinden, und neue entstehen nicht selten nahezu über Nacht.

Die Qual der Wahl ist zur Folter geworden

Diese Veränderungen im Business, die Teil einer umfassenden Umwälzung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der gesamten Welt und der Gesellschaft sind, bringen zwei einschneidende Effekte mit sich:

 

Gab es früher wenige Alternativen in einer mehr oder minder berechenbaren Welt, in der man sich mit viel Geschick und etwas Glück die besten herauspicken konnte, ist die Situation heute vollkommen verschieden. Was wir früher die „Qual der Wahl“ nannten, aber dennoch gut im Griff hatten, ist heute fast schon zur Folter geworden: unerschöpflich viele Chancen, aber auch große Risiken, weil der Markt schlechte Entscheidungen immer weniger verzeiht.

Zehn Umsetzungsschwächen

Bildquelle: AdobeStock alphaspirit

Die Konsequenzen daraus sind unter anderem:

Hatten wir früher eine großartige Strategie am Start und waren bei ihrer Umsetzung weniger genial als bei ihrem Entwurf, ging das meist gut, weil andere mit ihren schlechteren Ideen nicht schneller waren als wir. Das hat sich grundlegend geändert:

Wer bei der Geschwindigkeit patzt, macht seine genialen Ideen zunichte.

Deshalb gilt es, die schon immer vorhandenen Umsetzungsschwächen zu überwinden. Dass sie sich größtenteils auf menschlich nachvollziehbare emotionale Grundmuster zurückführen lassen, heißt nämlich nicht, dass wir im Wettbewerb auf Nachsicht hoffen dürfen.

Kenne den Feind, den du besiegen willst!

Bevor man einen Feind bekämpfen kann, muss man ihn kennen. Bei der Umsetzungsschwäche fällt dies besonders schwer, weil uns viele ihrer Verhaltensweisen seit Jahr und Tag begleiten und uns absolut normal vorkommen. Die folgende Liste ist meine persönliche Auswahl der zehn größten Umsetzungsfeinde. Nur wer sie besiegt, kann im Wettbewerb zum Spitzenreiter aufsteigen, statt auf ewig Mitläufer zu sein.

Zehn Umsetzungsschwächen, die wir überwinden müssen

1. Aktivitätenfokus
Das „Wie“ wird gemanagt anstelle des „Wozu“ und des „Was“. Das Wie sind Aktivitäten, Pläne und Meilensteine (Wie tun wir es?), die schon nach kurzer Zeit versagen, weil sich die Umstände definitiv und schnell verändern. Das Wozu und das Was sind unsere Ziele und die künftige Realität, in der diese Ziele wahr werden. Nur auf diese kommt es an.

2. Perfektionismus
Zahlreiche für die Wertschöpfung nicht relevante Aspekte beanspruchen Ressourcen, und Themenbereiche werden von Beginn an unproduktiv festgelegt.

3. Pseudoprioritäten
Wenn alles Priorität hat, hat nichts Priorität. Zudem priorisieren Manager in aller Regel falsch, weil sie nicht zuerst das tun, was den größten Impact auf das Ergebnis hat.

4. Blutarmut
Ein in der Organisation geteiltes Unverständnis darüber, dass hohe Umsetzungsperformance ein emotionales und kein rationales Thema ist.

5. Unendliche Geschichten
Projekte werden falsch designt und zu ressourcenfressenden Dauerbelastungen, die nie ein Ende finden.

6. Wild Wild West
Eine Kultur der Unzuverlässigkeit und Unverbindlichkeit, bei der vieles zugesagt, aber nur weniges tatsächlich eingehalten wird.

7. Erfahrungsgefängnisse
Routine und Professionalität sind gut und zugleich schlecht! In puncto Umsetzungsperformance wird häufig nicht der schnellste, beste und einfachste Weg gewählt, sondern der altbekannte.

"Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen (…) gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es andern so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein."
– Immanuel Kant –

8. Bequemlichkeit
Der Mensch ist faul und feige (siehe Kant), doch es sind die unbequemen Dinge, die uns schnell voranbringen.

9. Harmoniesucht
Wertschätzung und Würde werden häufig mit Harmonie verwechselt. Für eine außergewöhnliche Umsetzungsstärke braucht es Reibung!

10. Ego
Der Umsetzungskiller schlechthin: das Ego jedes Einzelnen. Nur wer sich zum Management beyond Ego bekennt und dessen Prinzipien lebt, hat eine echte Chance, durch exzellente Umsetzungsgeschwindigkeit zum Marktführer zu werden.

Ich will keineswegs behaupten, dass dies alles Umsetzungsfeinde sein müssen. Womöglich können Sie selbst noch einige hinzufügen. Falls ja, lassen Sie es die anderen Leser und mich gerne wissen.

Falls Sie mehr darüber erfahren möchten, wie wir unsere Umsetzungsschwächen besiegen und eine Leistungskultur etablieren, die diesen Namen verdient, empfehle ich Ihnen zwei erprobte Gegenmittel: erstens mein neues Buch Management beyond Ego. Teams in der neuen Arbeitswelt zu Erfolgen führen und zweitens mein Whitepaper Secrets of Execution Nr. 15: Stop Starting! Start Finishing!, das Sie hier kostenlos herunterladen können.

Ihr

Matthias Kolbusa


 


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