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Von Ansagen, Erwartungen

10. Juni 2021

Ansagen und Erwartungen statt echter Vereinbarungen

Warum Manager für die Inkonsequenz verantwortlich sind, über die sie sich beklagen

Das Wort „Konsequenz“ hat stets einen unangenehmen Beigeschmack. Unweigerlich schießen uns Begriffe wie „Disziplin“, „Gehorsam“, „Strafe“ oder „Drohung“ durch den Kopf. Und doch ärgern wir uns häufig genug über inkonsequentes Handeln, nicht zu Ende gebrachte Dinge oder Unzuverlässigkeit – sei es bei uns selbst oder in der Zusammenarbeit mit anderen. Einerseits sehnen wir uns nach mehr Konsequenz, andererseits wissen wir oft nicht, was genau darunter zu verstehen ist. Hier eine erste Antwort:

 Konsequenz bedeutet nicht, dass wir uns nach Strafe, Drohung und Angst sehnen, sondern nach Verbindlichkeit und Verlässlichkeit, die uns erfolgreich machen. Denn für den Erfolg müssen wir uns auf andere verlassen können.

Eine Konsequenzkultur zeichnet sich durch eine hohe Produktivität aus, die in einem ganz erheblichen Maß auf Verbindlichkeit und Verlässlichkeit beruht. Wenn Inkonsequenz die Produktivität beeinträchtigt, liegt das meist nicht daran, dass die betreffende Organisation eine Kultur der Konsequenz für vernachlässigbar hält. Der Grund liegt vielmehr darin, dass sie in ihrer Klarheit, Fokussierung und Produktivität von den ständig und unablässig wuchernden Wurzeln der Inkonsequenz übermannt wird.

Die Ursachen der Inkonsequenz

Inkonsequenz ist nicht einfach eine leidige Verhaltensweise und damit hinzunehmen. Durchaus menschlich allerdings ist die Verführung zur Inkonsequenz.

Mangelt es an Konsequenz und damit an einer stabilen und widerstandsfähigen Vertrauensbasis, entsteht klassisches Push-Management: ein System aus Kommando und Kontrolle, in dem nichts funktioniert, ohne dass man nachfragen, erinnern und nachbohren muss, um die erforderlichen Dinge fertigzubekommen. Als Führungskraft muss man sich auch um all das kümmern, für das man zwar verantwortlich ist, das jedoch andere zu erledigen haben.

Eine Kultur der Vereinbarungen, nicht der Ansagen

Ein etabliertes Konsequenzprinzip basiert auf einer Kultur der Vereinbarungen, die etwas ganz anderes sind als der gern begangene Fehler, einseitige Ansagen zu machen und unbestimmte Erwartungen zu äußern.
Zu einer guten und gültigen Vereinbarung gehört immer,


Eine Vereinbarung über den Umfang und den Zeitpunkt der zu erbringenden Leistung verpflichtet zusätzlich zur rechtzeitigen Anzeige, wenn etwas zum vereinbarten Termin nicht fertig wird. Eine zu späte Meldung bezüglich der Verzögerung gilt als ebenso unzuverlässig, wie die Arbeit unangekündigt nicht zu erledigen.


Von Ansagen, Erwartungen

Bildquelle: AdobeStock beeboys


Eine Konsequenzkultur etablieren

Der Weg zu einer Konsequenzkultur, die durch Verbindlichkeit und Verlässlichkeit und somit von Vertrauen und Produktivität geprägt ist, umfasst drei Schritte: Nach einer bewusst geschaffenen Klarheit über die zentralen Wertbegriffe (Schritt 1) werden wenige einfache Regeln aufgestellt, die sich an diesen Werten orientieren (Schritt 2). Diese Regeln sind sodann diszipliniert und konsequent einzuhalten (Schritt 3).

Schritt 1: Klarheit über die zentralen Wertbegriffe

Sobald persönliche Klarheit und Sicherheit im Werteverständnis gewonnen wurden, wird in einem ausführlichen Diskurs mit den Kollegen und den nächsten Ebenen ein gemeinschaftliches Verständnis bezüglich dieser Werte herbeigeführt. Wichtig ist, dabei nicht dogmatisch vorzugehen. Entscheidend ist nicht, ob das eigene Verständnis von Vertrauen oder Konsequenz richtig oder falsch ist, sondern was der Produktivität Ihrer Organisation nützlich ist. Die Werte müssen zum Unternehmen passen und Commitment ermöglichen.

Schritt 2: Konsequenzmechanik und Regeln

Nach dem erfolgreichen Herbeiführen eines gemeinsamen Werteverständnisses braucht es Regeln, die dazu verpflichten oder es zumindest erleichtern, sich diesem Wertekanon entsprechend zu verhalten. Diese Regeln sollten mit Beispielen positiven und negativen Verhaltens plausibilisiert werden.

Schritt 3: Disziplin

Im dritten Schritt geht es darum, das Verhalten an den erarbeiteten Werten und Regeln auszurichten und sie diszipliniert einzuhalten. Nicht nur, aber besonders unter Druck ist die Versuchung groß, oberflächliche Ansagen zu machen und Erwartungen zu äußern, ohne wirkliche Vereinbarungen zu treffen. Darüber hinaus ist Mut gefordert, wenn es heißt, bei abweichendem Verhalten Konsequenzen zu ziehen. Welche Folgen sind zu erwarten, wenn etwas unzureichend oder gar nicht erfüllt wird? Was geschieht im Wiederholungsfall? Die Reaktion darf weder von einer Laune abhängen noch von Sympathiewerten.

Ein Programm für Pull statt Push im Management

Um nicht in die Falle der Inkonsequenz zu tappen, müssen die Werte geklärt sein, von denen ein Unternehmen getrieben ist. Ein praxisbewährter Einstieg führt über die Werte Erfolg, Vereinbarung, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen und Konsequenz. Es kommt auf glasklare Definitionen an, auf geteilte und akzeptierte Regeln sowie eine kommunizierte Konsequenzmechanik, deren Sanktionen bei einer Zuwiderhandlung bekannt sind.

Ein derartiges Konsequenzprogramm ist ein wesentlicher Aspekt auf dem Weg vom Push- zum Pull-Management. Die Verlässlichkeit der Menschen und das gerechtfertigte Vertrauen in sie machen sowohl den Kopf als auch die Hände frei für das Entscheidende: die Organisation jeden Tag spürbar nach vorn zu bringen (statt daran zu scheitern, weil nichts wirklich zu Ende geführt wird).


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Ihr
Matthias Kolbusa


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