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4. März 2021

Bild: AdobeStock bunditinay

Woran Manager nicht zerbrechen sollten

„Der beste Weg, sich um die Zukunft zu kümmern, besteht darin, sich um den gegenwärtigen Moment zu kümmern.“

Thich Nhat Hanh

Als ich mich vor kurzem mit einem Kollegen unterhielt, beklagte dieser sich bitter über die aktuellen Umstände im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Er war kaum zu bremsen in seinem Pessimismus und betonte mehrfach, wie schwierig, ja nahezu aussichtslos doch alles sei. Zwar war mir nicht vollständig klar, was er von mir wollte in diesem Moment, doch wusste ich, was er brauchte:

„Sag mal: Wie genau hilft dir das Gejammere darüber, wie mies angeblich alles ist? Löst es irgendeines deiner Probleme? Oder schafft es vielleicht sogar ein neues Problem, weil es dir vollends den Mut nimmt, nach vorne zu schauen und die Dinge anzupacken?“

Machen wir uns nichts vor: In dieser von Corona beherrschten Zeit gibt es auch im Management kein business as usual, und zudem ist die Welt irgendwie ungerecht. In Sektoren wie der Logistik, dem Bau oder dem E-Commerce brummt das Geschäft wie nie zuvor, und anderen Branchen fliegt alles um die Ohren: Umsatzrückgänge, Liquiditätsprobleme, Kurzarbeit und, und, und … Nervenaufreibende Probleme ohne Ende. Kein Wunder, dass so mancher daran zu zerbrechen glaubt.

Aus menschlicher Sicht ist das alles sehr verständlich – aber seien wir mal ehrlich:

Sind es die Themen bzw. Probleme, an denen wir zerbrechen, oder sind es nicht vielmehr unsere Vorstellungen und die mit ihnen verbundenen Emotionen?

Was bremst uns mehr: die realen Umstände oder der Umstand, dass wir uns wegen ihnen verrückt machen? Ich weiß: Die meisten Manager haben mit Spiritualität oder gar Esoterik nichts, aber auch gar nichts im Sinn. Das ist auch gut so, weil das Management ein Faktenjob ist, in dem Gespenster nichts zu suchen haben. Aber dennoch sind unsere Emotionen fast immer ausschlaggebend.

Viele Manager haben auch keinen Bezug zur Achtsamkeit, weil sie diese mit Weichheit assoziieren, mit Weltfremdheit gegenüber den harten Tatsachen, mit denen sie täglich konfrontiert sind. Echte Manager machen vielleicht autogenes Training, aber sie meditieren nicht. Oder sie haben zwar eine Yogamatte, aber achtsam sind sie nur in den 20 Minuten, die sie jeden zweiten Tag darauf verbringen.

An dieser Stelle kann ich Sie beruhigen:

Achtsamkeit bedeutet nicht Warmduschen, sondern Präsenz: wahrnehmen und akzeptieren, was ist, um es in Angriff zu nehmen. Denn was sind Sorgen streng genommen? Projektionen der Zukunft. Ich habe die Sorgen zwar jetzt, aber ihr Auslöser ist etwas, das erst morgen oder später zum Tragen kommt:

„Wie um Himmels willen soll ich im kommenden Monat meine Zahlen erreichen?“
„Was mache ich bloß, wenn mir der Betriebsrat Knüppel zwischen die Beine wirft?“
„Wie soll ich dem Aufsichtsrat nächste Woche klarmachen, dass der Vorstand keine Mitarbeiter entlassen will?“

Wenn ich Gefahr laufe, mich mit Dingen zu quälen, die nichts mit dem Augenblick zu tun haben, muss ich immer an ein Zitat Thich Nhat Hanhs denken: „Der beste Weg, sich um die Zukunft zu kümmern, besteht darin, sich um den gegenwärtigen Moment zu kümmern.“ An anderer Stelle meint er sogar sinngemäß, er würde lächeln und den Flug genießen, wenn er von einer Klippe fiele. Darin steckt einiges an Wahrheit: Der unausweichliche Aufschlag kommt später. Was hilft es, jetzt zu verzweifeln?


Nicht jeder wird sich diesen fröhlichen Gleichmut zu eigen machen können, und gerade Managern ist er zumeist fremd. Sie denken vielleicht eher an James T. Kirk aus der Serie „Raumschiff Enterprise“, der einen als unbezwingbar geltenden Simulatortest der Raumakademie dadurch besiegte, dass er nachts zuvor heimlich das Programm veränderte. Seine Rechtfertigung: „Ich glaube nicht an ausweglose Situationen.“

Oder an Chesley B. Sullenberger, der im Jahr 2009 den unvermeidlich scheinenden Absturz seines Airbus A320 abwendete und eine grandiose Notwasserung auf dem Hudson River vollbrachte.


Bildquelle: AdobeStock helivideo


Ob Fakt oder Fiktion: Handeln können wir immer nur im Hier und Jetzt, und nur wenn wir ganz präsent sind, können wir die Zukunft gestalten, die im aktuellen Moment nicht mehr als ein Szenario in unserem Kopf ist.

Ich erlebe zurzeit privat und beruflich viele Menschen, die unter dem Druck der Umstände zu leiden glauben, obwohl sie nur den Kampf im Kopf verlieren gegen eine vermeintliche Zukunft, die keineswegs so zur Realität werden muss.

Stress, selbst wenn er mit körperlichen Symptomen daherkommt, ist stets eine subjektive Situation, in der man glaubt, mehr leisten zu müssen, als man leisten kann. Das beginnt schon bei etwas so Banalem wie der Schlange vor der Supermarktkasse: Das Problem ist nicht die Wartezeit, sondern die Vorstellung, um wie vieles schneller das alles gehen könnte. Damit will ich die Schwere eines Burn-outs nicht kleinreden. Ein Burn-out ist nicht eingebildet und bedarf der medizinischen Behandlung. Was jedoch dazu führt, ist allzu oft das Gefühl, die Zukunft nur dann meistern zu können, wenn man sich mehr und mehr ausbrennt. Doch je verzweifelter ich im Hamsterrad renne, desto schlechter priorisiere ich, und desto weniger gelingt mir. Also renne ich schneller und schneller statt richtig und brenne aus.

Helfen kann nur, die Opferhaltung abzulegen und zwischen Reiz und Reaktion zu kommen. Sich nicht verrückt zu machen, nicht herumzufluchen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern das Mögliche sehen, es in die beste Reihenfolge bringen und die Dinge dann anpacken. Und wenn das Hirn gerade wie vernagelt ist: Gehen Sie einige Stunden an die frische Luft, um sich neu zu sortieren.

Das perfekte Motto in schwierigen Zeiten lautet: „Never give up in the dark!“ Auch mir gelingt das nicht immer auf Anhieb, weil es menschlich natürlich ist, unter Druck Gründe für das Aufgeben zu finden. Ich sage mir dann gerne: „Da bist du ja wieder, Freund Zweifel. Aber nachgeben werde ich dir nicht.“

Wichtig dabei: Wir sind im Team nicht allein und sollten stets ein waches Auge auf die Menschen um uns herum haben, ob sie möglicherweise unsere Unterstützung benötigen. Mit einem Zitat von Thich Nhat Hanh haben wir begonnen, und so wollen wir auch enden:

„Menschen dabei behilflich zu sein, nicht von Ängsten zerstört zu werden, ist das größte Geschenk überhaupt.“

Ihr
Matthias Kolbusa


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