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Leader haben keine Freunde. Distanz als Führungsstärke

02. Mai 2018 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

02. May 2018 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

Nur zögerlich rückt der Lagermitarbeiter mit der Sprache heraus: „Wir konnten nicht schneller liefern. Zumindest war die Zusammenstellung nicht da, wo sie laut System sein sollte. Aber das war ja nicht das erste Mal. Unser Chef muss oft früher weg, und dann macht ohnehin jeder das, was er will.“

Der Geschäftsführer ist in der Zwickmühle. Er geht mit dem Lagerleiter zusammen ins Stadion. Sie besuchen die Philharmonie mit ihren Frauen und machen Städtetrips zusammen. Dummerweise hört er das alles nicht zum ersten Mal und hat seinen Freund bisher immer schonend behandelt. Jetzt aber droht der Kunde mit Vertragsstrafe, und es wird brenzlig. Die Mitarbeiter haben auch schon mitgekriegt, dass ihr Leitwolf Welpenschutz hat und nehmen ihn nicht mehr ernst.

Viele Führungskräfte sorgen aus reinem Harmonie-Bedürfnis weder für Klarheit in den Erwartungen, noch für eine Kultur, in der man sich im Sinn der Sache auch offen kritisiert und gegenseitig aufrüttelt, wenn etwas den Bach runtergeht. Einem Mitarbeiter, der einem ans Herz gewachsen ist, die Position wegnehmen, für die er nicht taugt? Undenkbar!

Das alles ist menschlich verständlich, aber grundverkehrt. Strenggenommen üben solche Manager Verrat am Unternehmen, das sie für Leistung und nicht fürs Kuscheln bezahlt. Die ehrlichste Harmonie entsteht dadurch, gemeinsam alles für den Erfolg zu geben und die Früchte der Anstrengung zu genießen. Das darf dann auch ausgiebig gefeiert werden. Was gibt es Großartigeres als das Gefühl, zusammen eine Delle ins Universum gehauen zu haben, auch wenn es unterwegs wehgetan hat?

Managerklartext heißt, Erwartungen deutlich zu formulieren und mangelnde Erfüllung offen und sachgerecht zu kritisieren – egal, wer einem gegenübersitzt. Ein Chef, der sich permanent als Therapeut gebärdet und für alles Verständnis hat, gefährdet sein Unternehmen. Mitarbeiter sind Menschen mit Würde, zu deren Wertschätzung auch Offenheit und Ehrlichkeit gehören, wenn klare Ansagen nötig werden.

Persönlich gehe ich so weit zu sagen: Auch wenn Sie sich an Gesetze und Regeln halten, dürfen Sie in Unternehmen keine Freunde haben. Weil Sie im Zweifelsfall immer die Sache Ihrer Organisationen höherstellen müssen als Ihre eigenen Bedürfnisse. Wie reagieren Sie zum Beispiel, wenn ihr Freund seinen Bereich nicht richtig führt und wenn Ihr CEO Sie fragt, ob er nicht besser abgelöst werden sollte? Antworten Sie: „Ja, es braucht eine Neubesetzung, und ich weiß auch schon, wer die Rolle besser ausfüllt“? Oder beschönigen Sie die Situation, um Ihren Freund zu schützen? Es ehrt Sie, wenn Sie auf dem zweiten bestehen. Dann müssen Sie aber ganz konsequent das Unternehmen verlassen.

Wenn Sie jenseits der Freundschaft etwas stärker Verbindendes als Kollegialität wollen, ist Kameradschaft ein toller Modus für ein produktives Verhältnis untereinander. Sie bedeutet, sich für ein gemeinsames Ziel zu engagieren, innerhalb dieses Rahmens füreinander einzustehen, und das selbst in konfliktbehafteten Beziehungen und bei emotionaler Distanz. Sie müssen Ihre Mitarbeiter nicht mögen, um zusammen effektiv und effizient zu sein. Erlaubt ist es natürlich, solange Sie Sympathie nicht über die Sache stellen, für sie sie verantwortlich sind.

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