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Was soll an Kritik nicht persönlich sein?

07. Dezember 2016 | von Matthias Kolbusa | 1 Kommentar

07. December 2016 | by Matthias Kolbusa | 1 comment

„Das ist nicht persönlich gemeint“, schiebt der Absender einer zuvor geäußerten Kritik hinterher. Wir leben im Management davon, dass Kritik geäußert wird. Manager sehnen sie geradezu herbei: die Kritikkultur oder die Streitkultur, an der es vielerorts mangelt. Wenigstens Organisationen haben sie. Warum? Ganz einfach: Keine Kritik, die der Äußerung oder dieses Wortes würdig ist, ist unpersönlich. Hier brauchen wir uns nichts vorzumachen: Jede Kritik trifft den Kritisierten, ob er nun von sich behauptet, ein dickes Fell zu haben, oder nicht. Und doch ist sie so notwendig. Denn nur aus Kritik entsteht Verbesserung, öffnen sich neue Horizonte, ergeben sich neue Einsichten. Doch da jede Kritik entweder Scham oder Schuldgefühle erzeugt – eine von zwei Primäremotionen, die jedem von uns innewohnen –, ist es in sogenannten „Kuschel-Kulturen“ geradezu verpönt, sich gegenseitig zu kritisieren. Denn man möchte dem anderen kein Leid zufügen, man möchte verhindern, dass er diese beiden Gefühle der dunklen Seite der Macht spürt.

Es braucht Mut
Doch dies geschieht um einen hohen Preis: Der Großteil der Managementteams, in denen ich mich bewege, verfügt nicht über diese Fähigkeit und zeichnet sich folglich in den Leistungen durch Mittelmaß aus. Zu groß die Scheu, zu falsch verstanden der Wert der Kameradschaft. Es braucht Mut, zu äußern, was man sieht und für verbesserungswürdig hält, daher ist Kritik per se nicht leicht. Dies insbesondere in einem Umfeld, das darin schlicht nicht geübt ist. Das ist letztlich kein Wunder. Denn wenn jemand einmal über seinen Schatten springt, braucht er sich nicht zu wundern, dass er in der Kantine gemieden und in den Gesprächen auf den Fluren nach dem Meeting über ihn hergezogen wird, was ihm denn einfiele, sich derart in die Belange anderer Leute einzumischen.

Noch paradoxer ist das Schauspiel zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern.
Was wird nicht von oben gelobt und immer wieder betont, durchaus auch Kritik hören zu wollen und für alles offen zu sein, um dann im echten Leben, wenn tatsächlich einmal bei einem wichtigen Thema entgegen der eigenen Vorstellung Worte laut werden, diese mit der Hierarchiekarte niederzubügeln. Dabei sind es ja gerade wir, die von unseren Mitarbeitern fordern, mehr Kritik zu üben. Es ist eine nicht selten paradoxe Verhaltensweise, die diesbezüglich anzutreffen ist.

Neben dem Mut braucht es Offenheit, die Offenheit, nach der Erkenntnis in den kritischen Worten zu suchen. Ganz nach dem Prinzip, dass der andere vielleicht doch Recht hat. Es reicht also nicht, Kritik zu fordern, sondern man muss den Mut des Kritisierenden dann auch mit der gebotenen Offenheit belohnen. Fällt das leicht? Nein! Denn die Scham- oder Schuldgefühle, die jegliche relevante Kritik mit sich bringt, sind weiterhin da und werden einen in diesem Moment beschleichen.
Machen wir uns doch bitte nichts vor! Es gilt somit, unseren Charakter und unsere Beobachtungsschärfe zu schulen. Wenn uns jemand mit den besten Absichten erläutert, dass unser Vorschlag nichts taugt oder unser Vorgehen nicht besonders durchdacht ist, dann liegt es an uns, diesen kleinen Moment zwischen dem Aufkeimen dieses Gefühls und unserer Reaktion abzupassen und eben nicht in die allzu menschlichen typischen Muster zu verfallen: eine Rechtfertigung, warum man auf diesen Gedanken gekommen ist, oder der Versuch einer Klarstellung, warum der Kritisierende nicht recht hat oder wir gar bemüht sind, die Schuld dafür bei jemand anderem zu suchen. In diesem Moment gilt es, der eigenen Scham oder den Schuldgefühlen die Stirn zu bieten, sie willkommen zu heißen, zu lächeln und dem Kritisierenden mit einem interessierten Verstand zu begegnen.

Dies ist eine Verhaltensweise, die niemandem von uns in die Wiege gelegt wurde. Es bedarf des Trainings, sogar eines harten Trainings, hier einen gewissen Reifegrad zu erlangen. Doch nur wenn wir sowohl den Kritisierenden als auch der aufrichtigen Kritik offen gegenübertreten, können wir dies auch von unseren Mitarbeitern verlangen.

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Training!


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