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Unwahrheit durch Unreife. Was Manager mittelmäßig macht

07. Juni 2018 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

07. June 2018 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

„Was fällt Ihnen denn ein? Kümmern Sie sich erst mal darum, dass Ihr CRM-Projekt nach Plan läuft – statt mir zu erzählen, wie ich meinen Vertrieb besser organisieren kann! So eine Frechheit muss ich mir von einem Newbie nicht bieten lassen.” Kaum rausgeschleudert, ist das Ziel schon erreicht: Der junge Querdenker, der gerade seinen ersten Führungsjob ergattert hat, ist mundtot gemacht. Warum? Weil er die Wahrheit gesagt hat. Und obwohl er das wertschätzend tat, sauber argumentiert und mit einem wertvollen Alternativvorschlag garniert hat, wird er vor versammelter Mannschaft einen Kopf kürzer gemacht.

Was wir hier erleben, ist der brutale Versuch des Vertriebschefs, einen jungen High Potential mit großer Perspektive zu einem ebenso mittelmäßigen Manager zu schrumpfen, wie er es selber ist. Und was sagt die Runde im Führungsworkshop dazu? Nichts. Betretenes Schweigen im Walde. Alle kuschen vor dem Choleriker und achten peinlich darauf, bloß kein Öl ins Feuer zu gießen, um nicht selber brennen zu müssen.

Um den Fall hart auf den Punkt zu bringen: Wer hier den Mund nicht aufmacht, lügt entweder bewusst, weil er verschweigt, was er klar und deutlich sieht, oder hat längst vergessen, was Wahrheit im Management bedeutet. Ist die Unwahrheit erst mal zur Kultur eingeschliffen, stellt selbst das Mittelmaß nur noch eine Durchgangstation auf dem Weg in den Abgrund dar.

Die Facetten der Unwahrheit sind vielfältig und nicht alles sind ausdrückliche Lügen: Schuldzuweisungen, Ausreden, Beschönigungen, Relativierungen, Ablenkungen, Versprechungen wider besseres Wissen, das Verschweigen eigener Kritik, das Unterdrücken der Kritik anderer, das gewaltbereite Durchsetzen der eigenen Meinung und viele andere mehr.

In Unternehmen ohne Wahrheit grassieren die Phänomene der Mittelmäßigkeit:


  • Silodenken

  • Absicherungskultur

  • Scheinkonsens

  • Inkonsequenz

  • Umsetzungsschwäche

  • Ideenlosigkeit

Traurig! Und das sind nur einige der Phänomene, die mir viel zu oft begegnen. Leider ist es nur zu typisch, dass die wenigen Aufrechten vom Schwarmdenken der trägen Masse assimiliert werden und sich nach kurzer Zeit ganz genauso verhalten.

In derartig deformierten Unternehmen sind nutzlose Besprechungen dann nur noch die sichtbare Spitze des Eisbergs. Man berieselt sich mit Infos, die keinen wirklich interessieren. Hauptsache der eigene Bereich steht optisch gut da. Ist man selber dran, sehnt man das Ende des Slots herbei, weil das Beschönigen der Versäumnisse so anstrengend ist. Man könnte sich ja verplappern und den anderen eine Angriffsfläche bieten, über die sie von ihren eigenen Defiziten ablenken können.

Der Grund für all diese Formen der Unwahrheit sind meistens unsere Emotionen, denen wir reif oder unreif entgegentreten können. Wenn wir unreif sind, verbinden wir all unsere Meinungen, Projekte, Vorgehensweisen – einfach alles, was wir tun, mit unserem Ego. Bekommen wir Kritik oder Gegenwind, schämen wir uns und fühlen uns schuldig.

Doch so eklig diese Emotionen sind, so natürlich sind sie auch. Wenn wir sie also nicht verhindern können, müssen wir das Beste aus ihnen machen:


  • Warum nicht die eigene Emotion belächeln: “Interessant! Ich empfinde Scham”. (Mehr dazu finden Sie in meinen SECRETS OF EXECUTION Nr. 11: Emotionen im Management)

  • Warum nicht den Rechtfertigungsreflex unterdrücken und den Erkenntnisgewinn suchen: “Das habe ich so nicht gesehen. Lassen Sie mich bitte verstehen, wie Sie darauf kommen”.

  • Warum nicht auf der anderen Seite mutig, aber wertschätzend sagen, was wir denken, statt zu kneifen, weil wir uns den Mund nicht verbrennen wollen. (Für mehr Offenheit, Mut und mehr empfehle ich Ihnen meine Kernwerte, die Essenz der Konsequenz oder mein aktuelles Buch KONSEQUENZ.)

Kleine Egos, die sich aufblähen, weil sie ihren Emotionen gegenüber unreif sind, verhindern die Wahrheit im Management. Ohne Wahrheit aber, wird Mittelmaß zum größten erreichbaren Standard – und selbst das nur mit Glück. Die Alternative dazu ist das, was ich Management beyond Ego nenne – ein Managen, das auf Wahrheit, Offenheit, Fairness, und Mut zu sich selbst sowie anderen gegenüber basiert – jenseits der Kleingeistigkeit, die verletzter Eitelkeit entspringt.

Was Sie dann noch brauchen, ist der Wille, es sich und Ihrem Team für den Erfolg jenseits der Komfortzone richtig ungemütlich zu machen. Wenn Sie mehr über diesen Zusammenhang von Discomfort und Performancegewinn erfahren wollen, empfehle ich Ihnen meine SECRETS OF EXECUTION Nr. 13: Raus aus der Komfortzone! Wege zur High-Performance-Organisation.

Oder schreiben Sie mir, wenn Sie abseits des üblichen Teamentwicklungs- und Veränderungsblödsinns Ihre Organisation wirklich auf ein Next Level bringen wollen: matthias@kolbusa.com.

Mit den besten Grüßen
Ihr Matthias Kolbusa

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