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18. Juni 2020

Bild: PS:PR / fotomek @stock.adobe.com

Hier und jetzt! Brillant ist nur, wer präsent ist

Mit unseren Gedanken sind wir allzu häufig überall, nur nicht im Hier und Jetzt. Entweder ärgern wir uns über Vergangenes, etwa das Verhalten eines Freundes oder den nicht erhaltenen Auftrag, oder wir sind in der Zukunft unterwegs und machen uns Sorgen darüber, was während des anstehenden Treffens der Geschäftsleitung alles schieflaufen könnte. Dabei ist uns eines in den meisten Fällen nicht klar: Es mangelt uns an dem Bewusstsein dafür, dass das, was in unserem Kopf an Vergangenem und Zukünftigem herumspukt, in keiner Weise real ist! Das einzig Reale in unserem Leben ist der aktuelle Moment. Dieser Mangel an Bewusstsein führt dazu, dass wir unvorstellbar viel Energie vergeuden und nicht die Brillanz und Kreativität und letztlich auch nicht die Entspanntheit und Gelassenheit an den Tag legen, wie wir es eigentlich könnten. Wir sind nicht wirklich ergebnisorientiert und unproduktiv.

Wenn wir nicht tun, was zu tun ist

Während des Workshops denken wir nicht über das Kärtchen nach, das der Kollege gerade an die Wand heftet, sondern über das, was nach der Pause möglicherweise noch kommen wird. Beim abendlichen Glas Wein mit einem Freund geben wir uns insgeheim vagen Fantasien über den nächsten Urlaub hin, statt unsere Aufmerksamkeit dem Gespräch und unserem Gegenüber zuzuwenden. Selbst dann, wenn wir auf ein Ziel fokussiert sind, kommt uns die mangelnde Präsenz viel zu oft in die Quere. Man sitzt am Schreibtisch und weiß genau, was nun zu tun ist. Das Jahr, das Quartal, der Monat und sogar der heutige Tag sind durchgeplant. Jetzt steht das Schreiben eines Konzepts auf der Tagesordnung. Doch statt einfach damit anzufangen – mit dem Wissen, dass es dann schon laufen wird ­–, holt man sich erst mal einen Kaffee, checkt die E-Mails oder liest online einen interessanten Artikel. Voller Konzentration verlieren wir uns in der Unproduktivität.

In diesen Augenblicken sind wir weder bei der Sache noch bei uns selbst. Dabei lässt uns die Aufgabe, die wir jetzt eigentlich angehen müssten, nicht los. Dementsprechend schlecht fühlen wir uns. Wenn wir nun wenigstens so konsequent wären, alles stehen und liegen zu lassen, um uns einmal richtig zu entspannen! Doch mit unserem Eskapismus, dieser Flucht vor der Realität, verschwenden wir lediglich Lebenszeit und Energie. Und wir verzichten so nicht nur auf Wachstum und Wertschöpfung für uns selbst oder unsere Organisation, nein, wir erholen uns nicht einmal richtig.

Wer präsent ist, erschöpft sich nicht

Unsere abendliche Erschöpfung resultiert aus unserem Ärger und aus unseren Sorgen. Wer sich seiner Aufgabe wirklich hingibt, wer präsent ist, der erlebt, wie seine Kräfte beinahe ins Unendliche wachsen. Und das selbst dann, wenn es sich um eine ungeliebte Aufgabe handelt. Es gilt für jeden von uns, das Paradoxon aufzulösen, dass es bei aller Ergebnisorientierung entscheidend ist, im Wie aufzugehen, und dass das Wie, nachdem das Was einmal geklärt ist, die Führungsrolle übernehmen darf, ja muss, wollen wir präsent und damit brillant sein.

Ob wir essen, lieben, entspannen, Verhandlungen führen, Ideen entwickeln oder einem Kollegen Feedback geben: Wer wirklich präsent ist, geht in seinem Tun auf. Es ist dieser unglaublich erfüllende Zustand, wenn alles um uns herum keine Rolle mehr spielt, wenn wir in unsere Tätigkeit versinken, weil wir alles so hinnehmen, wie es gerade ist. Jetzt sind wir im höchsten Maße produktiv, und das sogar bei einer Tätigkeit, die uns nicht liegt.

Warum die Zukunft zählt, aber der Moment entscheidet

Bedeutet das nun, dass wir uns keine Gedanken über die Zukunft machen sollen und uns jegliche Planung versagen? Nein, das bedeutet es auf keinen Fall. Eine gesunde Ergebnisorientierung hat viel damit zu tun, einen Spagat hinzubekommen: einerseits sich selbst grundsätzlich einen Sinn zu geben und Ziele zu stecken, also mit absoluter Präsenz ein Vorhaben zu durchdenken. Andererseits dann aber diese Ziele vor lauter Machen und Tun am besten zu vergessen. Haben wir uns für ein bestimmtes Vorgehen entschieden, dann stellen wir es nicht mehr infrage, sondern überlassen uns ganz dem Tun, wir schalten sozusagen auf Autopilot.

Ob wir dann so weit kommen, wie wir es beabsichtigt haben, bleibt offen. Darum geht es im betreffenden Augenblick nicht. Wenn Sie eine Stunde an einem Buch schreiben, aber nur zwei statt der beabsichtigten vier Seiten schaffen, dann ist das vollkommen egal. Genießen Sie Ihre bewusste Gegenwärtigkeit, ohne sich zu grämen, dass es nicht so schnell vorangeht wie gewünscht. Gegebenenfalls können Sie immer noch mit sich selbst oder anderen eine neue Vereinbarung treffen und bestimmte Erwartungen korrigieren.

Das Gleiche gilt auch für millionenschwere Projekte: So viel Gas geben wie möglich, um mit den zur Verfügung stehenden Mitteln den größtmöglichen Sprung zu machen, das muss die Devise sein. Um anschließend zu schauen, wo man steht, um das Vorgehen zu reflektieren und um den nächsten Sprung zu machen. Pläne haben den Nachteil, dass sie im Zweifel eingehalten werden. Anders geht es nicht, meinen Sie? Doch, es geht sehr wohl! Sie müssen sich und andere nur in echter und konsequenter Ergebnisorientierung und im Umgang mit Unschärfe trainieren.

Wenn Sie fokussiert sind, kommen die Impulse von selbst

Haben Sie ein starkes Urvertrauen in den Fluss der Dinge. Sowohl bei der Planung eines Vorhabens als auch bei der Durchführung: Sie werden zur richtigen Zeit die richtigen Impulse bekommen, solange Sie ausreichend fokussiert sind auf das, was Sie tun. Ihre Intuition, diese überlegene Kombination aus Erfahrung und Wissen, lässt die besten Ideen aus Ihrem Unterbewusstsein gerade dann aufsteigen, wenn Sie in einer Aufgabe ganz versinken.

Sie glauben nicht, dass Sie sich in diesen Zustand begeben können? Dann trainieren Sie Ihre „Brillanz im Moment“, indem Sie Ihren inneren Beobachter schulen. Richten Sie einen Teil Ihrer Aufmerksamkeit auf sich selbst, beobachten Sie, was Sie denken und fühlen, während Sie etwas tun. Ohne sich dabei selbst zu beurteilen, achten Sie darauf, wann Sie sich ablenken lassen – und holen Sie sich dann ganz bewusst zurück.

Wie präsent sind Sie gerade, in diesem Moment?

Ihr Matthias Kolbusa


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