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Teamentwicklung? Unnützes Trockenschwimmen

01. März 2018 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

01. March 2018 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

Ich sitze mit einigen Geschäftsführern eines deutschen Industrieunternehmens beisammen. Es geht um Strategieumsetzung. Ihre Strategie haben sie im Rahmen eines Projektes sauber erarbeitet. Ein Kernelement sind neue Geschäftsmodelle, die quer über die bestehenden Geschäftseinheiten zu etablieren sind. Was soll ich in dieser Runde? Meine Expertise zur beschleunigten Strategieumsetzung an den Tisch bringen: "Umsetzungsmanagement".

Damit das Ganze überhaupt funktioniert und von den Beteiligten getragen wird, müssen diese ihre Hoheitsgebiete, ihre Silos aufweichen. Transparenz und Miteinander sind gefragt. Statt sich wie gewohnt nur um seinen eigenen Kram zu kümmern, dafür zu sorgen, dass der eigene Bereich läuft und keine Probleme verursacht, gilt es auf einmal, sich auch für die anderen Bereiche wirklich zu interessieren. Damit nicht genug: Es müssen im Zweifel Dinge transparent gemacht werden, die bisher nicht transparent waren, und sogar Mittel und Ressourcen umgeschichtet werden, um den anderen Bereich zu unterstützen. Theoretisch ist alles klar, praktisch ist es jedoch die Quadratur des Kreises.

Damit die Strategieumsetzung reibungslos funktioniert und diese heiklen Themen mit einem gemeinsamen Geist angegangen werden, wurde auch hier ganz tief in die Teamentwicklungskiste gegriffen: Durch "Teamexperten" - was auch immer das sein mag - wurden mehrere Offsites moderiert, die darin mündeten, dass die Notwendigkeit, stärker zu kooperieren, mehr aufeinander einzugehen, transparenter zu sein, noch einmal geklärt wurde und man sich auf der menschlichen Seite gezielt näher kam. Und noch tiefer wurde in die Trickkiste gegriffen: Jeder einzelne Geschäftsführer musste auch noch ein Einzelcoaching über sich ergehen lassen, um seine persönliche Sichtweise, seine Haltung und seine Vorstellungen zu reflektieren.

Und dann, nach all diesem Zirkus und erheblichen Aufwand, musste ich in meiner Kick-off-Sitzung zur Strategieumsetzung erleben, dass das alles für die sprichwörtliche Katz gewesen war: Wenn von "wir" gesprochen wurde, war lediglich die eigene Business Unit gemeint, wenn diskutiert wurde, wie hier was gemeinsam anzugehen war, gab es in jeder Hinsicht schlüssig dargelegte und gut nachvollziehbare Gründe, warum das keinen Sinn macht und auch nicht funktionieren kann. Allen Bekenntnissen und Teamentwicklungsbemühungen zum Trotz wurde eifrig gemauert, und die Grenzen um den eigenen Bereich wurden aufmerksam verteidigt.

Ob nun in diesem Beispiel oder in jeder anderen Konstellation und ob es darum geht, dass zwei Vertriebsteams oder die Bereiche Marketing und Vertrieb, Produktion und Fertigung besser, integrierter miteinander arbeiten sollen: Teamentwicklung ist Zeitverschwendung! Es ist das Kreieren von Lippenbekenntnissen in einem künstlichen Raum, die nahezu nie (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel) auch nur irgendeinen Effekt nach sich ziehen. Das Ganze kostet nur unglaublich viel Zeit und Geld und ist reines Trockenschwimmen. Sobald es aber ins Wasser des echten Lebens geht, sind all diese Dinge Schall und Rauch.

Das Einzige, was hilft, ist, diese Dinge am lebenden Objekt zu entwickeln. Dafür braucht es jedoch keine Mediatoren oder Teamentwickler, dafür braucht es schlichte Managementkompetenz und einen dialektisch geschulten Geist, der alle Beteiligten stringent und klar durch einen erkenntnisgetriebenen Prozess treibt.

Wer also möchte, dass seine Teams besser performen, sollte sich um diese beiden Aspekte kümmern. Das kann bedeuten, sich jemanden ins Boot zu holen, der weiß, wie man Teams zu ihrem Glück zwingt. Denn welchem Geschäftsführer macht es Spaß, anhand der Strategieumsetzung an vielen Stellen entlarvt, vorgeführt und in logische Widersprüche verwickelt zu werden, so dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt, als zu kooperieren? Oder macht es Ihnen Spaß, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, der Ihnen zeigt, wie unproduktiv und wenig loyal gegenüber dem Unternehmen Ihr Verhalten ist? Natürlich nicht! Es ist unbequem! Teamentwicklung ist nett, macht Spaß, sorgt jedoch für keinerlei Entwicklung. Wir entwickeln uns nur, wenn es unangenehm wird. Unangenehm klar und deutlich, spürbar im echten Leben, nicht beim Trockenschwimmen.

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