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Spaßfaktor Disziplin: In vier Schritten zum persönlichen Durchbruch (1)

18. August 2017 | von Matthias Kolbusa | 1 Kommentar

18. August 2017 | by Matthias Kolbusa | 1 comment

Disziplin wird mit vielem verbunden, nur nicht mit Spaß. Quälerei, Überwindung oder Schmerz sind die Attribute, die uns durch den Kopf gehen – unangenehme Vorstellungen, häufig geprägt durch Erlebnisse aus Kindheit oder Jugend, wo wir uns mit Dingen quälen mussten, die uns keinen Deut interessierten oder zu denen wir absolut keine Lust hatten.

Trotz dieser negativen Assoziationen umweht die Disziplin der Wind des Heldenhaften. Anerkennend wird das Hohelied „eiserner Disziplin“ oder „echten Durchhaltewillens“ gesungen. Menschen, die mit unmenschlichem Einsatz Außergewöhnliches schaffen, ernten Bewunderung. Ebenso die Helden des Alltags, bei denen man sich fragt, wie sie all das überhaupt schaffen und dabei auch noch gut drauf sind?

Lesen Sie hier in zwei Teilen, was Disziplin von Pflichterfüllung unterscheidet und welche vier Schritte Sie zum Disziplin-Flow bringen.

Disziplin versus Pflichterfüllung

Aus der Kindheit kennen wir zwei Situationen, die uns auch im Erwachsensein stets begleiten:

1. Etwas tun zu müssen, das uns nicht die Bohne interessiert. Chemie zu büffeln, obwohl wir keinen Draht dazu haben. Auf Anweisung ein Service-Konzept auszuarbeiten, das uns sinnlos erscheint. Etwas tun zu müssen, das uns einfach nicht juckt.

2. Dinge zu erledigen, zu denen wir gerade keine Lust haben. Für die Mathearbeit zu üben, obwohl draußen Freunde warten. Zu trainieren, obwohl wir lieber auf der Couch „abhängen“ würden. Planmäßig das Service-Konzept zu erstellen, statt sich ein kühles Feierabendbier zu gönnen.

Ersteres hat nichts, rein gar nichts mit Disziplin zu tun. Das ist stumpfsinnige Pflichterfüllung. Das Zweite ist Disziplin: Weil es einem wichtig ist, mit dem Team auf dem nächsten Turnier besser abzuschneiden, geht es trotz Unlust zum Training. Der Sinn dahinter ist geklärt, eine Vereinbarung getroffen – eine Vereinbarung mit sich selbst!

Disziplin ist das Einhalten mit sich selbst getroffener Vereinbarungen. Nicht mehr und nicht weniger. Das verlangt, auch das zu tun, wozu man keine Lust hat. Denn besäße man diese Lust, wäre es nicht der Rede wert. Wir würden es automatisch machen.

Schritt 1: Entrümpeln

Starten wir mit der Pflichterfüllung. Wer durch einen Lehrer oder Chef zu etwas gezwungen wird, der Rückfragen abschmettert mit einem: „Weil ich es sage“, sollte schleunigst das Weite suchen!

Leider ist das nicht immer offensichtlich. Oft zwingen wir uns nämlich selbst zu Dingen, die wir für notwendig halten, um später frustriert zu erleben, dass wir es nicht hingekriegt haben. Etwa parallel zum Alltagswahnsinn an der Präsentation fürs große Statusmeeting zu feilen, die einen echten Karrieresprung bedeuten könnte. Oder nach dem harten Tag im Büro die Laufschuhe zu schnüren, um endlich ein paar Kilo zu verlieren. Schuldgefühle machen sich breit – ein schlechtes Gewissen inklusive Selbstverurteilung. Unsere härtesten Richter sind wir bekanntlich selber.

Schnell tummeln sich noch mehr negative Gefühle in diesem Teich. Der Neid auf Kollegen, die zum Statusmeeting topvorbereitet aufschlagen oder die Verzweiflung, weil wir uns eingestehen müssen, den Marathon eh nicht mehr zu schaffen, für den wir uns blöderweise angemeldet haben. Wieso versuchen wir diese Dinge überhaupt? Wieso wollen wir im Meeting glänzen oder den Marathon finishen? Warum programmieren wir mit allem Möglichen Unzufriedenheit und Stress vor? Unser Leben ist übervoll mit Dingen, von denen wir nur meinen, sie tun zu müssen. Dinge, die mit Disziplin nicht zu beherrschen sind.

Für eine Art Disziplin-Flow, in dem Sie mit Freude Leistung bringen, müssen Sie diese Dinge eliminieren! Um die Spreu vom Weizen zu trennen …

Listen Sie die Dinge auf, bei denen Sie sich immer wieder überwinden müssen.

Fragen Sie sich bei jedem Punkt: Warum mache ich das? Wieso will ich mich dazu überhaupt überwinden?

Werfen Sie alle Punkte für immer über Bord, zu denen es keine klare Antwort gibt. Ernsthaft!

Wo Sie kein eigenes, ehrliches „Wieso“ finden, das die Überwindung rechtfertigt, liegt der Verdacht nahe, dass Sie vom Motiv eines anderen als Mittel zum Zweck missbraucht werden. Vielleicht sind es aber auch soziale Zwänge oder Werte, die Ihnen Folgsamkeit suggerieren. In beiden Fällen müssen Sie einen feuchten Kehricht tun! Mit nur 15 Minuten Aufwand dampfen Sie eine Liste von vielleicht 30 Punkten flott und locker auf die Hälfte ein. Kein klares Wieso in Sicht? Weg damit!

Schritt 2: Sinn - ein Bottom-Up-Approach

In Schritt zwei dünnen wir weiter aus, indem wir unser Wertesystem klären. Auch wenn es extrem Spaß machen kann, ist es nach meiner Erfahrung sehr schwierig, die philosophische Sinnfrage zugleich alltagstauglich und grundsätzlich zu beantworten. Top-down zuerst den Sinn zu ergründen, um dann über die Ziele auf Werte, Prinzipien und diszipliniert zu verfolgende Gewohnheiten zu kommen, lässt das Tagesgeschäft nicht zu.

Viel einfacher geht es bottom-up. Nehmen Sie sich Ihre „Rest-Liste“ der unliebsamen Dinge vor, für die Sie ein belastbares Wieso ausmachen konnten. Nun klettern Sie zwei bis vier „Wieso-Stufen“ tiefer. So entlarven Sie weitere Streichkandidaten, die keine eigenen Motive reflektieren und identifizieren jene Dinge, bei denen Sie gekonnt Disziplin walten lassen.

Zur Erinnerung:

Disziplin bedeutet Vereinbarungen mit sich selbst einzuhalten. Sie selbst, niemand anderes, beschließen einen Marathonplan oder morgens um 4:30 aufzustehen, um an Ihren Herzensthemen zu arbeiten,

um nachfolgend das zu tun, was Sie beschlossen haben. Ganz konsequent! Auch wenn die Müdigkeit Sie um halb fünf ans Bett nageln oder das Feierabendbierchen Sie vom Training fernhalten will.

Dieser Zwei-Komponenten-Cocktail schmeckt nur, wenn das Wieso geklärt und mit den eigenen Werten verbunden ist.

Vielleicht entlarvt die ungeschönte Antwort auf das Wieso den Marathon als von außen aufgezwungen. Womöglich wollten Sie nur den Kollegen beweisen, dass Sie es auch draufhaben. Wenn lediglich Anerkennungsbedürfnis dahintersteckt, beschließen Sie vielleicht, dass es den Stress nicht wert ist.

Bedeutet Ihr Wieso hingegen, dass Sie den Marathon als Zielmarke für Ihre eigene Fitness nehmen, verdichtet sich der Positiv-Verdacht. Stellen Sie auf Wieso-Stufe zwei fest, dass Sie nicht irgendeinem Laufmagazin hinterherhecheln, sondern fit, gesund und glücklich mit Ihrem Partner sehr alt werden wollen, ist alles klar! Der Sinn schält sich auf einmal heraus – ein immer wieder klärendes Wow-Erlebnis.

Ähnlich, wenn Sie im Job hinter das Wieso Ihrer Karriere-Ambitionen klettern – tiefer auf der Wieso-Treppe, vorbei an mehr Geld und materiellen Gütern. Wenn dort einfach die Familie steht, die versorgt werden will und mit der Sie zwei Mal im Jahr einen schönen Urlaub verbringen möchten, dann ist das völlig in Ordnung! Sinn abgehakt! Finden Sie dort aber nichts, dass es wert wäre, ergibt sich daraus ein Korrektiv, das von allen möglichen Zwängen befreit. Hielten Sie ohne geklärtes Wieso daran fest, würde Ihr Leben zur Quälerei. Und das hat mit Disziplin nichts zu tun.

Das erwartet Sie in Teil 2:

Nachdem Sie inzwischen Disziplin sauber definieren können und wissen, wie Sie Ihren Pflichtenkoffer entrümpeln, wird es in Teil zwei darum gehen, den Preis für „genussvolle Disziplin“ zu kennen und zu akzeptieren. Lassen Sie sich überraschen.

Wenn Sie nicht warten und jetzt schon mehr wissen wollen, besorgen Sie sich mein aktuelles Buch: „KONSEQUENZ. Management ohne Kompromisse“, um sich weitere Zusammenhänge rund um die Disziplin und andere Erfolgsprinzipien zu erschließen.

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