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Mentale Stärke. Die Muskelpakete der Manager-Superhelden

27. September 2018 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

27. September 2018 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

Vielleicht haben Sie ja bereits Teil I meiner kleinen Serie über Superhelden im Management gelesen. Im heutigen zweiten Teil und im späteren dritten sprechen wir über etwas, das alle Superhelden auszeichnet und auf das auch Superhelden-Manager nicht verzichten können: mentale Stärke.

Bam! Sie gehen an die Decke wie eine Saturnrakete. Eben hat Ihr Projektleiter berichtet, dass sein Budget um mindestens 20 Prozent überzogen wird, während die Timeline in weiter Ferne liegt. „Wenn wir durch sind und alle Fehler bereinigt haben, ist die Hannover-Messe leider vorbei“, meint er achselzuckend.

Für das, was folgt, schämen Sie sich später. Sie toben herum, brüllen ihn an, wie unfähig alle sind und treten Ihren Papierkorb mit Karacho durch den Raum. Nachdem Ihr Gegenüber mit hängenden Schultern abgezogen ist, denken Sie sich: Wie blöd, dass Sie sich solch eine Blöße gegeben haben Doch jetzt können Sie es nicht mehr ungeschehen machen. Mist! Zu guter Letzt sind selbst wütend – derart sauer, dass Sie in der Nacht ausgelaugt und vor lauter Grübelei kein Auge zukriegen.

Während sie sich herumwälzen, wird Ihnen klar: Mentale Stärke geht anders. Wer brüllt, beweist nur, dass er ein Schwächling ist. Ihnen kommt ein alter Wahlspruch in den Sinn:



Glauben Sie mir: Ich kenne das auch. Jeder wünscht sich das: cool bleiben, Alternativen durchdenken, die beste auswählen und, egal wie turbulent der Tag war, nachts zu schlafen wie ein Murmeltier, um am nächsten Morgen taufrisch und lächelnd wieder durchzustarten.

Einen Königsweg dahin oder ein Zaubermittel kann ich Ihnen nicht versprechen. Eines weiß ich aber genau: Aus dieser Endlosschleife mentaler Schwächeanfälle kommen Sie nicht über Nacht heraus. Sie müssen Ihre mentalen Muskelpakete trainieren.


Trainingsvoraussetzungen: Dinge tun, nach denen Ihnen nicht ist



Mentale Stärke bedeutet, sich in unbequemen Situationen nicht einfach den erstbesten Emotionen hinzugeben, sondern auch unter Druck jederzeit reflektiert, sachorientiert und dem eigenen Wertesystem folgend zu reagieren, zu kommunizieren und vor allem zu handeln. Hier geht es ausdrücklich um die Dinge, die uns wirklich nach vorne katapultieren, nicht solche, die wir ohnehin tun, weil wir sie gerne tun. Mit diesen erfüllen wir nur, was sowieso zu erwarten ist. Natürlich ist Neukundenakquise im Vertrieb herausfordernd, und die Jagd auf die Zwölfender einer Branche verlangt Mut und Geschick. Wer aber seinen Bonus steigern will, muss den Schmerz der Niederlage wagen, um mit kapitalen Trophäen wieder nach Hause zu kommen.

Mentale Stärke und Schwäche hängen nicht von den Umständen ab, sondern vom Umgang mit den entstehenden Emotionen. Sie schämen sich, weil Ihr Vorschlag im Ausschuss Kritik statt Applaus erntet? Ob das berechtigt ist, sehen Sie erst, wenn Sie die Scham überwinden und sich auf die Argumentation der Kollegen einlassen. Sie sind wütend, weil Ihre Assistenz eine oberflächliche Präsentation vorbereitet hat? War sie wirklich nur schlampig, oder haben Sie selbst beim Briefing Verbesserungsbedarf?

Wie einfach wäre es, den Emotionen einfach nur nachzugeben – zu schmollen im Ausschuss oder zu wüten im Vorzimmer. Aber bringt das Ihr Unternehmen oder Ihre Persönlichkeit weiter? Sicher nicht. Wenn Sie jetzt spüren, wie schwierig das ist, verstehen Sie auch, dass man damit nicht nachlassen darf. Weil man mentale Stärke nur in der Praxis gewinnt, kann man sie durch Nachlassen auch da wieder verlieren – wie bei einem Muskel.


Trainingshinweise: Was Sie beachten sollten



Wie jeder andere braucht auch der mentale Muskel Training und Trainingsdisziplin, um zu wachsen. Wenn Sie spüren wollen, wie Sie stärker werden und bleiben, reicht es nicht, hier und da zu üben. Die Wunscheffekte werden sich nur einstellen, wenn Sie die vorgestellten Übungen TÄGLICH machen und mindestens vier bis sechs Wochen durchhalten.


Wenn Sie mehr über Disziplin erfahren möchten und wie Sie diese zum Spaßfaktor machen, empfehle ich Ihnen Teil I und Teil II meines Blogbeitrags Spaßfaktor Disziplin: In vier Schritten zum persönlichen Durchbruch
 


Wenn Sie am Ball bleiben, werden Sie überrascht sein, wie massiv die Auswirkungen sind – um wie viel souveräner, gelassener und ausgeglichener Sie unterwegs sind und besonders in echten Grenzsituationen reagieren. Dafür müssen Sie aber beherzt sein, weil Sie das nicht im Simulator üben können. Das geht nur in den Situationen selbst. Am besten gelingt das, wenn Sie im Kleinen beginnen – zuerst in Situationen, die nur Sie selbst betreffen, und danach zunehmend, wenn andere im Spiel sind, die mit Ihrer Reaktion produktiv umgehen müssen – und Sie mit ihnen. Denn es ist etwas ganz anderes, ob Sie sich „nur“ über sich selbst ärgern oder im Meeting vor anderen Scham oder Schuld, Ärger oder Angst, Hochmut oder Übermut empfinden.

Es existieren fünf Kernfaktoren mentaler Stärke:


  • Reflektieren

  • Bewusstsein

  • Annehmen

  • Aushalten und

  • „Get the Shit done!“


Zu kämpfen haben Sie mit drei Stärkenkillern – starken negativen Emotionen, denen Sie jederzeit widerstehen müssen:


  • Angst

  • Scham

  • Verzweiflung


In diesem Teil II der Superheldenserie diskutieren wir die ersten beiden Kernfaktoren Reflektieren und Bewusstsein. Im abschließenden Teil III wenden wir uns drei anderen Kernfaktoren und dem Kampf gegen die Killeremotionen zu. Viel Spaß und Erfolg dabei!





Trainingsprogramm Teil 1 | Kernfaktoren: Reflektieren, Bewusstsein



Reflektieren



  1. Beginnen Sie damit, den eigenen Beobachter zu trainieren – Ihr Ich, wie es Ihnen auf der Schulter sitzt und Ihnen bei allem zusieht, was Sie tun oder sagen. Denn wer souverän und mental stark reagieren will, muss abpassen können, was sie oder ihn gerade bewegt, um eine Wahl zu haben. Wer seinen Zorn nicht „sehen“ kann, hat keine Wahl und reagiert mit dem stärksten der drei Urtriebe, die das Stammhirn kennt: einfach draufhauen.

  2. Fragen Sie sich mehrfach am Tag ganz bewusst: „Was denke ich gerade? Was fühle ich?“ Starten Sie damit für sich allein und fügen später Situationen mit anderen hinzu (Meetings, Workshops, Diskussionen etc.) Das ist beileibe kein esoterischer Quatsch, sondern beinhartes Training und am Ende ein wunderbarer Performancehebel.

  3. Überprüfen Sie, wenn Sie sprechen: Können Sie sich dabei „sehen“? Nehmen Sie wahr, warum Sie was gerade sagen oder tun? Wer ist der „Chef“ im Ring und steuert, Ihre Worte? Sind Sie es noch oder haben Sie das Ruder schon an die Umstände, Ihre Gesprächspartner oder Ihren Bauch abgegeben?

  4. Behalten Sie fünf bis zehn Prozent Ihrer Aufmerksamkeit immer bei sich selbst. Lassen Sie sich niemals komplett von Situationen und Gesprächen aufsaugen.

  5. Um sich dorthin zu entwickeln, nehmen Sie nach einem Meeting 1-2 Minuten und schreiben auf: Warum habe ich mich gerade so verhalten, wie ich mich verhalten habe? Wieso habe ich das gesagt?

  6. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben: Nutzen Sie ein konstruktives Schuldgefühl und kommentieren Sie sich selbst mit einem „Wie süß!“ Das klingt lustig, hat aber einen tieferen Sinn. Sie sollen sich selbst nicht verurteilen, sondern nur erkennen, dass Ihre dunkelsten Emotionen wie Scham, Schuld, Verzweiflung oder Angst ganz natürlich zu Ihnen gehören. Lernen Sie, diese Gefühle zu sehen und anzunehmen.


Bewusstsein



  1. Um den Geist dafür zu stählen, gibt es nichts Besseres als Atemübungen. Der Atem ist die Brücke, die Verbindung vom Bewussten zum Unbewussten. Er ist der „Muskel“, mit dem Sie die nötigen 5 bis 10 Prozent Bewusstsein von oben immer bei sich selbst haben, um jederzeit gelassen und souverän zu agieren.

  2. Auch daran ist nichts Esoterisches! Ich habe das von den Navy SEALs gelernt – der wahrscheinlich härtesten Eliteeinheit des US-Militärs. (Lesen Sie dazu gern meinen Blogbeitrag Navy Seals und Management. Ergebnisse einer harten Woche). Die SEALs nutzen das sogenannte „Box Breathing“: Immer dieselbe Anzahl an Sekunden (ob 4, 6, 10 oder mehr ist Trainingssache) einatmen – halten – ausatmen – halten. Ganz einfach. Mehrmals täglich ein paar Minuten. Kaum etwas schärft Ihr Bewusstsein mehr.



Mehr Infos zum Box Breathing finden Sie bei meinem Coach Mark Divine: https://sealfit.com/box-breathing/ oder Sie laden sich die hervorragende App von Unbeatable Mind im Appstore von Apple oder von Android herunter.
 


Wenn Sie jetzt noch mehr Lust auf das Thema Superhelden im Management bekommen haben, freuen Sie sich auf den dritten Teil, in dem es um die Erfolgsfaktoren 3 bis 5 geht und darum, wie Sie Killeremotionen den Zahn ziehen. Bis dahin freue ich mich über Ihr Feedback im Kommentarfeld oder direkt per E-Mail an matthias@kolbusa.com

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