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Krönung der Schöpfung? Weit gefehlt! Amateurhaftes Denken im Management

11. November 2016 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

11. November 2016 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

Wir Menschen halten uns für hochintelligent, begabt und kreativ. In gewisser Hinsicht sind wir das auch. Man sehe sich nur an, was wir alles erschaffen haben: Wir haben fließendes Wasser, Autos, Züge, Flugzeuge, Kraftwerke, ja sogar im Weltraum sind wir unterwegs. Und dennoch: Unsere Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu durchdringen, hat sich in den letzten 100.000 Jahren nicht weiterentwickelt. Wir versuchen unsere Unsicherheit noch immer mit Monokausalität zu beruhigen: Wenn wir den Vertrieb aufstocken, löst sich das Umsatzproblem! Und am liebsten begründen wir das mit alten Erfahrungsmustern: „Vor vier Jahren hatten wir dasselbe Problem, und es hat geklappt.“ Dass es an der Produktpalette, einem neuen Wettbewerber oder einer veränderten Nachfragestruktur liegen könnte, kommt uns nicht sofort in den Sinn.

Neuesten Forschungen zufolge können wir im Schnitt vier Aspekte in ihrer kompletten Vernetzung geistig problemlos managen: Das sind 24 – 4 = 12 Kombinationen. Sind Sie hochintelligent, schaffen Sie 20 bis 25 Prozent mehr: Das sind immerhin bereits 15 Kombinationen! Schon eine simple Strategieüberlegung, bei der vielleicht eine Handvoll Wettbewerber eine Rolle spielen, über drei bis vier Absatzkanäle nachzudenken ist, sich ein paar Partner bei Sourcing und Vertrieb anbieten – das Ganze bei einer schmalen Produktpalette von vielleicht fünf Schlüsselprodukten –, wartet bereits mit mehr als 20 Faktoren auf. In Vernetzung durchdacht: 2020 – 20 = 1.048.556. Über eine Million Kombinationen, die sich als strategische Varianten anbieten. Selbst wenn die Vertriebsstrategie nicht wirklich in direkter Abhängigkeit zu den Gedanken rund um die Fertigungstiefe steht, bleibt eine für uns Menschen nicht mehr beherrschbare Komplexität.

Alles, was diese simple Fähigkeit, vier Faktoren in ihren Abhängigkeiten erfassen zu können, übersteigt, sorgt dafür, dass wir Menschen an diesen Schranken unseres Denkens abprallen und gerade im Management meiner Beobachtung nach in folgende vier Muster verfallen:

1. Vereinfachung
Wir simplifizieren, indem wir an sich entscheidende Variablen aus der Gleichung einfach herausnehmen. Auf einmal hat das Produktportfolio gar nichts mehr damit zu tun, dass es im Vertrieb nicht vorangeht. Es braucht entweder mehr Vertriebler, mehr Training, oder das Incentivierungssystem muss angepasst werden. An mehr kann es nicht liegen. Dass es sinnvoll und notwendig sein könnte, die Faktoren Nachfragestruktur, Wettbewerbsangebote oder Produktattraktivität oder Preismodell hinreichend detailliert mitzubetrachten, ist uns einfach zu anstrengend. Nicht selten wird dann viel getan, ohne damit wirklich etwas zu erreichen.

2. Abstraktion
Abstraktion ist ein gern angewandtes Mittel in jedem Meeting, insbesondere zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern: „Da müssen Sie sich lediglich die Marktinformationen beschaffen und sehen, ob unser Angebot mit den Kundenbedürfnissen übereinstimmt.“ Oder: „Die IT-Services müssen einfach so gestaltet werden, dass es zu einer Fachbereichswertschätzung kommt – fertig.“
Genau: Viel gesprochen und nichts gesagt. Denken – insbesondere präzises Denken – ist anstrengend. Und nicht selten machen wir es uns gerade in unseren Führungssituationen viel zu einfach. Um welche Marktinformationen geht es, die mit welchen Kundenbedürfnissen abzugleichen sind? Klar ist es eine erforderliche Fähigkeit der nächsten Ebene, mit solchen Abstraktionen umgehen zu können. Doch Vorsicht! Jedes Mal, wenn Sie sich im Folgemeeting darüber aufregen, dass das ja so gar nicht dem entspricht, was Sie sich vorgestellt haben, haben Sie es sich mit der Abstraktion zu einfach gemacht.

3. Monokausalität
„Wir müssen nur mit dem Preis runtergehen, dann gibt sich das mit der Kundenwahrnehmung.“ Unsere Sehnsucht nach einfachen Wenn-dann-Beziehungen beschleicht uns jeden Tag aufs neue. Es gibt sie nur leider viel zu selten. Passen Sie bei Wenn-dann-Aussagen immer besonders gut auf sich selbst und auf andere auf. Effektive Lösungen kommen dabei nur selten heraus.

4. Erfahrungsgefängnis
Ja, wir haben eben nichts anderes! Wir haben nur unsere Erfahrungen. Auf welcher Basis sollten wir uns sonst eine Meinung bilden? Da wir einmal erlebt haben, dass es klug war, Betroffene zu Beteiligten zu machen, muss es so sein, dass dies auch beim nächsten Veränderungsprojekt ein intelligentes Vorgehen ist. Oder etwa nicht? Erfahrungen bieten Lösungsmöglichkeiten, doch sollten wir gut aufpassen: Die Situation ist niemals dieselbe, die Umstände sind niemals exakt gleich.

Immer wieder gilt es, mithilfe unseres Verstandes kritisch zu prüfen, ob wir im konkreten Fall nicht in einem Erfahrungsgefängnis sitzen und ob es nicht klüger wäre, die Mauern einzureißen und das Licht weiterer möglicher Alternativen hineinstrahlen zu lassen. Was meinen Sie dazu? Teilen Sie mir und anderen Beraterin Ihre Gedanken mit - als Kommentar unter diesen Blogartikel oder auf der Kolbusa Fanseite.

P.S.: In unserer Kolbusa Xing Gruppe tauschen wir uns zu aktuellen Managementthemen aus. Werden auch Sie ein Teil davon! Hier geht's zur Gruppe.

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