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Heißt Scheitern Versagen oder Lernen?

11. Juli 2019 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

11. July 2019 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

Keine Frage: Scheitern ist in, hip, en vogue und irgendwie gerade der letzte Schrei. So als wäre die Katastrophe die Urmutter des Erfolgs. Sie haben eine wundervolle Geschäftsidee realisiert, ohne zuvor, mindestens einmal pleite gewesen zu sein? Daran muss was faul sein. Bestimmt haben Sie die Idee bei jemandem geklaut, der fiel, aber nicht mehr aufgestanden ist.

Es ist diese Überbetonung des Scheiterns als Managementprinzip, das seine wahre Bedeutung diskreditiert. Scheitern ist etwas ganz Natürliches und etwas Wertvolles, wenn wir daraus lernen. Es ist kein Werkzeug, sondern als Gegenteil des Erfolgs ein Gegenstand des Managens. Wir streben den Erfolg an, nicht das Scheitern, das wir aber dosiert riskieren, weil wir nichts gewinnen können, wenn wir nichts wagen und daraus lernen wollen.

Aufs schlauer scheitern kommt es an – immer wieder  

Auch in anderen Bereichen gehört das schlaue Scheitern nicht nur zum Tagesgeschäft, sondern zum Selbstverständnis. Zwar ist Trial-and-Error jedem Wissenschaftler eine geschätzte heuristische Methode – ein zuverlässiges Ausschlussverfahren inmitten des Dschungels der vielen Pfade, die zum Ziel führen könnten. Dennoch ist das Scheitern ein Ergebnis, keine Prämisse. Und Scheitern ist Lernen. Wer gelernt hat, scheitert wahrscheinlich wieder, aber das nächste Mal eben besser, informierter, kompetenter. Fail forward sagen die Amerikaner dazu.

Jeder Produktentwickler hat schon erlebt, dass gute Ideen scheitern, weil sie keine Unterstützer in der Geschäftsführung oder keinen Kapitalgeber finden. Wird deshalb aufgesteckt? Nein, es wird weitergemacht! Besser gemacht! Wie Christoph Kolumbus, der losgesegelt war, die Westpassage nach Indien zu finden. Fehlanzeige! Er fand dafür Amerika. Was für eine kolossale Enttäuschung – oder doch nicht?

Wenn wir dem Scheitern also so viel verdanken, wieso ist es dann so verpönt? Am Anfang unseres Lebens ist es das gar nicht. Auf Kindesbeinen sind alle Lernprozesse eine lange Reihe von Niederlagen. Wie viele Male fällt ein Kind, bis es laufen kann? Wie viele Karambolagen und aufgeschürfte Knie erlebt es, bis das Fahrradfahren klappt? Niemand würde das Kind einen Loser nennen. Das Kind soll und darf sich nicht als Versager fühlen, sondern als tapferer Eroberer wundersamer Welten.

Wenn Scheitern zum Stigma wird

Scheitern wird aber dann ein Problem, sobald Entscheidungen für unseren Platz in der Welt anstehen. Beim Einschulungsalter, bei der Empfehlung für die weiterführende Schule, bei der ersten oder wievielten „Ehrenrunde“, beim Abbruch des Studiums oder der Lehre, beim vergeigten Examen, beim geplatzten Geschäftsabschluss, bei der Bauchlandung des Start-ups etc. Plötzlich ist Scheitern nicht mehr Lernen, sondern Versagen. Warum ist das so?

Vor allem, weil man von uns ab einem gewissen Punkt erwartet, dass wir gemäß gesellschaftlichen Zielen und Normen funktionieren – unfallfrei und ohne Umwege. Schullaufbahnen in Schlangenlinien, mäandernde Berufswege, lücken- oder sprunghafte Lebensläufe gehören nicht zum Bewegungsprofil eines nützlichen Teils der Gesellschaft. Sie sind ein Widerspruch zum Erfolgsmodell der Masse und zum Segen der Konformität. Wer Niederlagen riskiert und erlebt, wird stigmatisiert. „Gescheiterte Existenz“ ist eines der schlimmsten Urteile, die man über uns fällen kann.

Kurios ist, dass sich die Verachtung des Scheiterns und der Gescheiterten immer noch steigert, je mehr Niederlagen zu unserem Alltag gehören. Egal, ob die individuellen Niederlagen von „frei“ gestellten Bankangestellten im Zuge der Finanzkrise oder die kollektiven Crashs ganzer Nationen wie Island, Irland oder Griechenland: Wir lernen täglich, dass Scheitern nicht die Ausnahme ist. Soziologen prognostizieren, dass zukünftig jeder Mensch in seinem Leben ganz selbstverständlich zwei oder drei verschiedene Karrieren haben wird.

 


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Von der gescheiterten zur gescheiteren Existenz

Aber heute schütteln wir den Kopf über den ehemaligen Broker, der seinen Ex-Kollegen jetzt den Hot Dog für die Mittagspause verkauft. „Gescheiterte Existenz“ geht es uns durch den Kopf und schaudernd den Rücken hinab. Wieso? Der Mann ist glücklich mit dem, was er tut, und auch sehr erfolgreich. Auch wenn er einen Bruchteil dessen verdient, was er früher einstrich. Er hat etwas gelernt.

Der Slogan vom „lebenslangen Lernen“, den Sozial- und Arbeitsmarktexperten gern im Munde führen, um Fortbildungsseminaren und VHS-Kursen Hochkonjunktur zu garantieren, ist eigentlich eine Tautologie – wie ein weißer Schimmel. Wie der Schimmel immer weiß ist, so ist das Leben stets Lernen. Wir lernen im immer dazu, weil wir im Leben immerzu scheitern.

Oder wenigstens könnten wir es, wenn wir dem Scheitern seinen Malus nähmen. Verstehen wir unser Scheitern also als das, was es ist: eine willkommene Gelegenheit zu lernen und kein peinliches Manifest unseres Versagens. Ich hoffe, dieser Gedanke inspiriert Sie, während Sie den Sommer feiern, ob im Liegestuhl oder an der Pinne, auf dem Jakobsweg oder der Alm.

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