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Catastrophying. Warum Pessimismus ein Segen ist

08. August 2019 | von Matthias Kolbusa | 2 Kommentare

08. August 2019 | by Matthias Kolbusa | 2 comments

Optimismus gilt als positiver und ausgesprochen sympathischer Charakterzug. Wir schätzen die beruhigende und aufheiternde Art von Menschen, die stets ein „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ oder „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ auf den Lippen haben. Manche gehen so weit, den Optimismus in die Nähe einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu rücken. Er mobilisiere eigene Kräfte und die Menschen im Umfeld eines Optimisten. Aber ist Optimismus wirklich klug? Und macht er tatsächlich erfolgreich?

Befürworter der hoffnungsfrohen Weltanschauung führen gern Statistiken und Wahrscheinlichkeitsberechnungen ins Feld. Sie wollen beweisen, dass Unglück die Ausnahme von der Regel ist. Wie wahrscheinlich ist es, einen Flugzeugabsturz zu erleben? 1:2,8 Millionen. Wie wahrscheinlich, vom Blitz getroffen zu werden? 1:20 Millionen. Wie wahrscheinlich, von einem Hai angegriffen zu werden? Sogar 1:300 Millionen. Das klingt rational und macht Optimismus zu einer ziemlich coolen Haltung – wenn nicht die Realität all diese Kalkulationen immer wieder Lügen strafte.

Ernest Hemingway etwa stürzte nicht nur einmal mit dem Flugzeug ab, sondern gleich zwei Mal – in ein und demselben Jahr, 1954. Mit ein und derselben Person, seiner Frau Mary. Und: an zwei aufeinanderfolgenden Tagen! Falls Sie ein unerschütterlicher Optimist sind und es Sie tröstet: Entgegen erster öffentlicher Darstellungen überlebte er beide Crashs und erhielt etwas später im Jahr den Literaturnobelpreis.

Das Pendant zum Gesetz der Wahrscheinlichkeit ist Murphys Law: Was schief gehen kann, geht schief. Jeder kennt den flotten Spruch und zitiert ihn gern. Den wenigsten ist dabei klar, dass dahinter tatsächlich eine beinharte wissenschaftliche Erkenntnis steht und dass der alte Murphy in Naturwissenschaft und Technik immer noch eine der wesentlichen Grundlagen für Fehlervermeidungsstrategien ist.

Pessimismus zur Fehlervermeidung

Und da sind wir beim Kern meines Arguments – Fehlervermeidung. Egal in welchem Zusammenhang, ob beim Sport oder im Berufsleben, unter Freunden oder in der Familie: Die Frage, ob Optimist oder Pessimist, macht den entscheidenden Unterschied zwischen Profi und Amateur, Könner und Anfänger, Systematiker und Hasardeur, Erfolg und Niederlage. Der Eine sagt sich: „Es könnte ja klappen“. Der Andere: „Es könnte ja schiefgehen“. Jetzt raten Sie mal, wer am Ende die Nase vorn hat.

Der Optimist setzt auf das Prinzip Hoffnung. Das ist bequem, denn wer hofft, muss nicht handeln. Der Pessimist hingegen ist kein Fauler. Eifrig und akribisch malt er schwarz. Das ist nicht l’art pour l’art, sondern eine clevere Strategiefindungsmethode. Auf der Grundlage des schlimmsten anzunehmenden Falls entwickelt er, wie er diese Situation entweder vermeiden oder ihr entgegentreten kann. Er macht einen Plan. Er bereitet sich vor. Er wappnet sich. Vor allem bleibt er Herr der Lage, während der Optimist sich dem Schicksal anvertraut.
Der Super-GAU als Katastrophen-Impfung

„Catastrophying“ heißt diese Methode bei mir. Ich wende Sie regelmäßig an. Stehen schwierige Entscheidungen an, setze ich unterschiedliche Variablen ein und spiele die möglichen Resultate durch. Wie kann ich Fehler vermeiden oder wenigstens wirksam beheben? Was kann ich riskieren, was auf keinen Fall?

Verändert sich etwas Wesentliches in meinem beruflichen oder persönlichen Umfeld, spiele ich eine Runde Catastrophying, um herauszufinden, ob ich etwas dagegen tun kann oder ob und wie ich mit der Veränderung leben muss. Habe ich Angst vor etwas, mache ich dieses Gefühl bewusst noch schlimmer, noch schwärzer, übertreibe es, um zu sehen, dass meine tatsächliche Lage gar nicht so aussichtslos ist. Und vor allem, um die Dinge aktiv anzugehen, statt sie über mich ergehen zu lassen.

Zum Glück sind negative Szenarien nicht alles im Management. In der Entwicklung von Strategien kommt es auf das genaue Gegenteil an. Wie Sie mit emotionalen Zielbildern Ihre Strategiefindung und -umsetzung auf ein neues Level heben, verraten Ihnen meine
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Malen Sie schwarz!

Mein Tipp mag so gar nicht zur Leichtigkeit des Seins auf dem Höhepunkt des Sommers passen, aber er lautet: Malen Sie schwarz! Das macht Sie zum Profi unter Amateuren, egal ob auf dem Golfplatz, in der Vorstandssitzung oder beim Familienrat. Optimismus ist keine Tugend und Hoffnung das Gegenteil von Handeln.

Wenn Sie „Catastrophying“ üben wollen, empfehle ich Ihnen ein sehr nützliches und zugleich vergnügliches Buch zur Lektüre: „The Worst-Case Scenario Survival Handbook“. Joshua Piven und David Borgenicht stellen darin eine Reihe lebensrettender Maßnahmen zusammen – ernst gemeint, aber witzig geschrieben. Nun wird man in unseren Breitengraden sicher nicht vor Killerbienen flüchten oder mit einem Alligator ringen müssen, aber es könnte doch helfen, einen Defibrillator zu bedienen oder ein Flugzeug landen zu können.

Vor allem beweist das Buch: Als Pessimist müssen Sie noch lange keine Spaßbremse sein. Es gibt eine Menge fröhliche Pessimisten. Oder: Ein Pessimist ist ein Optimist, der nachgedacht hat.

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