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Angsthasen im Management. Wer sie sind und was sie anrichten

10. Mai 2017 | von Matthias Kolbusa | 0 Kommentare

10. May 2017 | by Matthias Kolbusa | 0 comments

Ständig auf der Hut und mit großen Augen in seiner Mulde sitzend, bewertet der Hase sein Umfeld. Unterschreitet etwas die Fluchtdistanz, wird Gas gegeben. Es geht ums nackte Überleben! Zumindest denkt der Hase das immer wieder. Und dann flieht er mit hoher Geschwindigkeit und schlägt Haken, was das Zeug hält. Nicht selten rennt er vor einer nur vermeintlichen Bedrohung fort: einer Kuh, die an ihm vorbeispaziert, einem Menschen, der ihn eher streicheln als ihm etwas zuleide tun würde oder ihm gar etwas zu fressen geben will. Nur selten sind die Bedrohungen wirklich ernst.

Der Manager-Hase. Eine kleine Charakterisierung
Mit seinen großen Ohren und den riesigen Augen ist er immer auf der Hut. Im Statusmeeting lauscht er gebannt jedem Zwischenton, fragt und bohrt ständig nach: „Was heißt das für die Kosten?“, „Wie beeinflusst das die Terminschiene?“ Und er findet dabei häufig vermeintliche Bedrohungen. Von Dienstreisen, aus Gesprächen mit Kunden, von Messebesuchen kommt er meist bleich zurück. Große Ungeheuer werfen lange Schatten. Das Ende naht! Er wundert sich immer wieder, dass niemand außer ihm diese Dinge sieht und keiner losrennt! „Das gibt’s doch gar nicht! Wie kann man nur so naiv sein.“ Das sind Gedanken, die ihm immer wieder durch den Kopf gehen. Es erscheint ihm geradezu unfassbar, dass wir nichts dagegen unternehmen. Mit der Zeit wird der Manager-Hase zusehends frustrierter und auch ausfallender, denn die anderen wollen nicht verstehen, sehen die alarmierenden Dinge nicht! Er muss immer deutlicher werden. Im fortgeschrittenen Stadium schlägt sein Verhalten in Zynismus um, und er fühlt sich durch die Dinge, die schiefgegangen sind, zunehmend bestätigt. „Habe ich es euch nicht gesagt?“, hört man ihn dann immer wieder fragen.

Das Haar in der Suppe
Das zu sehen, was alles schon geschafft wurde, und ein natürliches Grundvertrauen in die Kompetenz und Fähigkeit seiner Mannschaft sind ihm völlig fremd. Das Denken und das Verhalten des Manager-Hasen sind geprägt von Angst und Misstrauen. So kann er auch nicht loben und Anerkennung zollen, denn es kann ja immer noch etwas schiefgehen. Dass man so weit gekommen ist, hat man ihm und seinen Hinweisen zu verdanken, und man sollte froh sein, dass es noch einmal gut gegangen ist. Viele Erfahrungen bestätigen ihn in dieser Ansicht. Und so wird bei allem, was mit etwas Distanz betrachtet sogar sehr gut läuft, das Haar in der Suppe gesucht. Und selbstverständlich wird auch – mindestens – eines gefunden! Dass seine Mitarbeiter und Kollegen das nicht schätzen, verwundert ihn.

Reichlich: oberste Prioritäten
Der Manager-Hase kippt seine Organisation förmlich zu mit all dem, was aus seiner Sicht notwendig ist, um nicht gefressen zu werden. Und das ist eine Menge! Alles, was hilfreich sein könnte, um im Wettbewerb zu bestehen oder um sicherzustellen, dass das Projekt nicht schiefgeht, muss eingesteuert werden! Sofort! Wenn der Manager-Hase über eine Messe rennt, ist er an seinem hohen Lauftempo – keiner schafft so viele Hallen in so kurzer Zeit wie er –, einer enormen Anzahl an Kontakten und Gesprächen und einem dicken Notizbuch zu erkennen. Und das ist voll mit relevanten Punkten. Sofort werden entsprechende Themen eingebracht und Projekte aufgesetzt.
Flüstert ihm jemand ins Ohr, dass ein Projekt nicht den erwarteten Nutzen bringen wird, wenn man nicht zügig die Schnittstelle zum CRM realisiert, so bringt er das beim nächsten Statusmeeting als oberste Priorität mit ein.
Das Umfeld des Manager-Hasen ist geprägt von Prioritäten. Es sind so viele, dass es schon gar keine mehr gibt. Zudem ändern sie sich auch gerne. Das muss auch so sein, denn schließlich bewegen sich die Ungeheuer: Manche entfernen sich wieder, andere kommen näher. Es ist nur konsequent, dass die Priorität der letzten Woche sich dadurch überholt hat. Was gestern die schwerste Bedrohung oder die vermeintliche Erfolgsnotwendigkeit darstellte, wird ganz schnell durch eine neue abgelöst. Schließlich lauern überall Ungeheuer.
So ist es nur logisch, dass Ruhe und Gelassenheit dem Manager-Hasen fremd sind. Vielmehr prägen Misstrauen und Aktionismus sein Verhalten.

Vertrauen? Meetings und Berater
Eines jedoch kann man dem Manager-Hasen nicht vorwerfen: Naivität! Niemandem vertraut er. Die anderen wissen nicht, was sie tun? Sie übersehen wichtige Dinge? In dieser Einschätzung findet sich der Manager-Hase Woche für Woche bestätigt, denn die Kollegen und Mitarbeiter bringen die wirklich relevanten und akuten Themen nie auf den Tisch! Und die vielen besprochenen Prioritäten, all die relevanten Themen: Es gibt fast keinerlei Rückmeldungen. Was Wunder – bei all den „Prioritäten“! So beschäftigt der Hase meist eine Heerschar von Beratern, die anderen „helfen“ sollen, die relevanten Dinge zu erkennen und abzuarbeiten. Anschließend braucht es aus der Sicht des Manager-Hasen noch mehr Meetings und weitere Diskussionen, um sicherzustellen, dass all die relevanten Aspekte auch wirklich beachtet und bearbeitet werden.

Unnötig: Analysen, Methoden & Co.
Das Umfeld von Manager-Hasen ist häufig geprägt von beeindruckenden Werkzeugen, Methoden, Reportings und einer Menge Leute, die sich mit diesen Dingen bestens auskennen. Nicht selten sind sie stolzer auf diese an sich gar nicht wertschöpfenden Steuerungs- und Absicherungsmechanismen als auf das, was tatsächlich erreicht wird: das neu entwickelte Produkt, der Fortschritt im Projekt oder die gehobenen Kostenpotenziale. Die Ergebnisse sind nicht so beeindruckend wie das System drum herum, das dies schließlich alles erst ermöglicht. Ein Urvertrauen in seine Mannschaft, in deren Fähigkeiten und Kompetenzen ist dem Manager-Hasen fremd geworden.

Nicht quatschen! Machen
Scheinbar im Widerspruch zu diesem System-Stolz steht die Haltung „Nicht quatschen! Machen“ des Manager-Hasen. Denn wenn Bedrohungen zu nahe kommen, dann ist keine Zeit mehr, dann muss gehandelt werden! So wirkt er nicht selten etwas ambivalent und unberechenbar. Kommt man mit einer ausführlichen, tiefschürfenden Analyse, dann war das doch schon vor Wochen klar, und der Hase ist erstaunt, dass diesbezüglich noch immer nichts geschehen ist. Fordert man Prioritäten, wundert sich der Hase, dass das nicht parallel erledigt werden kann, und kommt stattdessen mit einem weiteren Thema daher, das in dem Zuge direkt mitbetrachtet werden sollte.

Bei aller Satire: Vom Umgang mit der Angst und Angsthasen
Wir alle haben Angst. Das ist auch gut so, denn sonst würden wir tatsächlich naiv allem und jedem vertrauen, was eher Gleichgültigkeit als einem ernsten Engagement für eine Sache gleichkäme. Wir würden uns nicht um wirklich relevante Bedrohungen kümmern und so den eigenen Bereich oder gar das Unternehmen gefährden. Was uns häufig fehlt, ist Besonnenheit und Reflexion: in Ruhe mit den Kollegen und Vorgesetzten darüber sprechen, was sich hinter den Chancen und Ungeheuern verbirgt, die Dinge gezielt beobachten. Erst nach reiflicher Abwägung werden die Prioritäten dann wirklich geändert und neue Ziele ausgegeben. Denn klar ist: Wer aus reiner Angst heraus ständig immer mehr einsteuert, dauernd die Prioritäten ändert, der dreht den eigenen Laden irgendwann hohl und wird früher oder später nicht mehr ernst genommen. Es gilt, die Fluchtdistanz zu verkleinern: wachsam dazusitzen, an einmal getroffenen Entscheidungen und wenigen (!) Prioritäten festzuhalten und erst dann nervös zu werden und zu handeln, wenn es sich wirklich um eine ernste Gefahr oder um eine Chance handelt. Und dies auch erst nach einigen ruhigen, nach Erkenntnis strebenden Gesprächen mit Kollegen und Vorgesetzten.

 

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